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Erinnerungen an Deutschland

Tromsø liegt deutlich mehr als 1000 Kilometer von Oslo entfernt und Oslo etwa 1000 Kilometer von Kiel. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Deutschland hier sehr weit weg ist. Aber offensichtlich nicht weit genug, um hier nicht auch Spuren zu hinterlassen.

Der heutige Sonntag hat mich auf eine lange Wanderung nach Håkøya geführt. Das ist - man möge sich an die Norwegischlektion für Anfänger erinnern - eine kleine Insel. Håkøya liegt vor Kvaløya, was ja die Nachbarinsel von Tromsøya ist. Das klingt nach vielen Fähren aber die Norweger sind gute Brückenbauer. Von der Innenstadt nahm ich einen Bus bis zur Endstation und dann ging es auf der breiten Tatzen eines Jervs in Richtung Insel. Håkøya sieht niedlich aus. Eine kleine, vorgelagerte Insel mit ein paar Häuschen darauf - aber bis zur niedrigen Brücke, die dorthin führt waren es einige Kilometer zu laufen. Einige Kilometer auf einer Straße, die immer an der Küste entlang und um eine Bucht herum führt bevor sie am Ende des Ortes Eidkjosen (sprich "`Eidchusen'') den Bürgersteig einbüßt. Aber Jervs haben keine Angst vor dem Fahrbahnrand und bis zur Brücke war es auch nicht mehr weit.

Håkøya ist von innen betrachtet genauso niedlich wie von außen. Eine asphaltierte Straße führt über die Insel, an der die Häuschen stehen - viele gut versteckt hinter dichten, knorrigen Birken. Das Inselinnere scheint bewaldet zu sein und obwohl dort ein Sendemast steht habe ich es nicht gewagt, dorthin vorzudringen, denn ich war auf der Suche nach einer deutschen Spur. Nicht weil ich Nationalist oder Militarist bin sondern einfach aus purem Interesse. Vor Håkøya wurde nämlich am 12. Noveber 1944 das deutsche Schlachtschiff "Tirpitz" versenkt. An einer Stelle, an der man wunderbar hinüber zu den Nachbarinseln gucken kann, ist eine Gedenksteele aus einer Rumpfplatte der "Tirpitz" aufgestellt. Die Vorstellung, dass dort, in dem friedlichen Sund, wo zwei andere, kleine Inseln liegen, ein riesiges Kriegsschiff bombardiert wurde, ist schwierig. Aber das ist nicht das einzige "Souvenir" aus den 40er Jahren, das man hier findet: Im Stadtzentrum von Tromsø steht eine Gedenktafel für die von den Nazis ermordeten Juden der Stadt. Und darüber hinaus gibt es hier jede Menge Bunkerreste. Es ist schon beklemmend zu sehen, wie weit dieses Regime und dieser Krieg ihre Kreise gezogen haben - auch in Regionen, die noch nach heutigen Maßstäben von Deutschland aus "weit weg" sind.

Die Wanderung nach Håkøya hat aber noch mehr interessante Erkenntniss gebracht: Man kann hier das Wetter kommen und gehen sehen wie ich es noch nie erlebt habe. Die Regenschauer hängen wie trübe Schleier über Meer und Bergen und wehen heran, man steht im Regen und Minuten später kann wieder die Sonne scheinen. Kein Wunder, dass ich die Regenbögen, die ich gesehen habe, nicht zählen konnte. Außerdem konnte ich hier eine Erfahrung wiederholen, die ich in Deutschland kürzlich bei einem überraschenden, kleinräumigen Schauer an einem sehr heißen Sommertag hatte: Man kann die Regentropfen, die unmittelbar vor einem niedergehen, im Sonnlicht funkeln sehen.

Zurück an Bus begann es dann jedoch, richtig intensiv zu regnen und bei nasskalten 8 Grad und Wind war das Warten auf den Bus trotz Jacke und Pulli nicht angenehm. Aber auch das ist eine interessante Erfahrung. Ich wüsste nicht, wann ich Mitte August einmal völlig durchgefroren nach Hause gekommen wäre.
17.8.10 20:45
 


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