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Sunglasses at night

"How do you think about hiking?" fragte mich ein Kollege am zweiten Arbeitstag. Und da ein Jerv gern in der Natur ist, war die Antwort klar. Wandern war also angesagt an meinem ersten Wochenende in Tromsø. Auf den Skamtinden, einen Berg auf der Nachbarinsel Kvaløya.

Vor der Wanderung erkundete ich allerdings noch etwas das Innere der Insel Tromsøya, auf der das Stadtzentrum liegt (Norwegisch für Anfänger: "øy" heißt "Insel" und "øya" ist die bestimmte Form eines weiblichen Substantivs). Und auch dort gibt es eine Menge zu entdecken. Den Prestevann zum Beispiel, einen kleinen See mit einer Menge Vögel. Darunter sind ganze Wolken von Küstenseeschwalben, die auf den flachen Inseln dort brüten. Die gibt es auch an der Nordsee aber nie in solchen Massen und vor Allem nie so zutraulich. Ich habe selten Vögel erlebt, die sich so bereitwillig photographieren ließen wie auf den Prestevann. Das ganz große Highlight waren allerdings die Sterntaucher, eine arktische Vogelart, die man in Deutschland vielleicht mal im Winter an der Nordsee zu Gesicht bekommt. Hier sieht man sie im prächtigen Brutkleid - und mit ihren Jungen.

Zur Wanderung wurde ich vom Chef abgeholt und zu viert machten wir uns an den Skamtinden. Allerdings hatte ich mir ein bisschen was Anderes vorgestellt. Ich hatte an einen längeren Marsch mehr oder weniger geradeaus gedacht, doch es war ausgemachtes Bergsteigen, das ich überhaupt nicht gewohnt bin. Ein Jerv ist doch keine Gämse! Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht, durch Birkenwald, Graszone und Geröllfelder zu klettern und das zu tun, was man hier fast immer tut: Die Aussicht genießen. Das Panorama vom Skamtinden aus ist nämlich atemberaubend. Am Fuß des Berges ein kleines Fischerdorf mit bunten Holzhäusern und ansonsten Fjorde, Berge und die Abendsonne. "Hm, es ist schon spät," denkt man sich. Man schaut auf die Uhr und es ist halb zwölf! Natürlich - jeder weiß, dass hier die Sonne im Sommer eine zeitlang nicht untergeht. Aber Mitternachtsonne mit all ihren Konsequenzen ist nicht abstrakt vorstellbar. Das muss man erlebt haben, um zu begreifen, was es bedeutet. Das bedeutet, dass man um elf Uhr in der Nacht eine Sonnenbrille trägt. Dass man sich keine Gedanken machen muss, wann man vom Berg runter ist weil es sowieso hell ist. Und dass man gegen halb zwei in der Nacht Alpenglühen sehen kann weil dann die Sonne wieder "aufgeht". Ich war - zugegeben - sehr kaputt als wir wieder am Auto waren. Unsere Rückfahrt wurde durch ein paar Rentiere auf der Straße unterbrochen und den Sonntag verbrachte ich wieder am Prestevann und im Wald auf dem Festland. - Bei Windstille und wunderschönem Wetter.

Nach getaner Arbeit am Montag trieb sich der Jerv noch ein wenig auf Tromsøya herum. Die Nordspitze war mein Ziel und auch das hat sich mehr als gelohnt. Keine Viertelstunde zu Fuß von der Uni entfernt stößt man auf eine Moor- und Heidelandschaft, wie man sie sich vom Norden vorstellt. Verkrüppelte Birken, Heide, Preiselbeeren, Orchideen... - die Pflanzen, die man dort entdecken kann, lassen sich kaum aufzählen. Und im Sonnenschein des frühen Montagabends wirkte alles nochmal schöner. Doch dass sich das sehr plötzlich ändern kann, bekam ich auch zu spüren. Innerhalb von kurzer Zeit flossen Nebelwolken von den Bergen auf dem Festland und immer wieder zogen Schwaden über die Insel. Nicht so, dass man nichts mehr hätte sehen können und auch nicht, dass es dem Panorama Abbruch getan hätte. Denn eines verstehe ich immer mehr: Norwegen - das muss das Land sein, in dem man hinter jeder Wegbiegung zwangsläufig denken muss "Was für eine Aussicht!" - Gesetzt den Fall, dass es nicht regnet, was es jetzt wieder tut.
29.7.10 20:19
 


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