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Der Jerv, der aus der Hitze kam

"Ist das herrlich kühl hier!" war mein erster Gedanke als ich die Boeing 737-800 der SAS auf dem Flughafen Tromsø verließ. Frische, nach Meer duftende windige Luft schlug mit entgegen, die angefüllt war vom Kreischen der Möwen. Eine Wohltat nach mehreren Wochen bei Rekordtemperaturen über 30° in Deutschland. Was einem hier begegnet ist so etwas wie Novemberwetter aber das kann für einen hitzegeplagten Jerv sehr angenehm sein.

Meerblick hat mein Hotelzimmer nicht, wohl aber mein Büro. Die Uni liegt - wie das Zentrum von Tromsø überhaupt auf einer kleinen Insel, die durch einen Tunnel und die beeindruckende Tromsøbrua, eine lange, hohe Brücke, mit dem Festland verbunden ist.

Aber wie sieht es nun aus etliche hundert Kilometer nördlich des Polarkreises? Schnee und Eis? Tundra? Eisbären? Nein. Die Berge, die Tromsø umgeben, sind bewaldet, allerdings mit einer recht tiefliegenden Baumgrenze und auf den Bergen liegen auch einzelne Schneefelder. Gestern hat es dort sogar etwas geschneit. Oberhalb der Baumgrenze findet man dann auch Tundra aber Eisbären gibt hier nur als Plüschtiere im Souvenirladen - und zwar haufenweise. Dabei wären Braunbären, Luchse, Wölfe oder Anhänger meiner Spezies doch viel angebrachter...

Ansonsten ist Tromsø eine nette, kleine Stadt, in der es auffallend viele Holzhäuser gibt. Selbst der Dom ist eine große Holzkirche. Und auch, wenn man hier 1700 Straßenkilometer oder gut anderthalb Flugstunden von Oslo entfernt ist, ist es nicht besonders provinziell. Kein Wunder. Tromsø ist mit 65000 Einwohnern die Metropole Nordnorwegens.

Entscheidendes Gesprächsthema bei den Einwohnern dieser Metropole ist offensichtlich das Wetter. Tromsø ist nichts für Sonnenanbeter, gutes Wetter muss hier genutzt werden, denn es ist selten. Für dieses Wochenende meldeten die Boulevardzeitungen "Super helg i hele landet", ein "Superwochenende im ganzen Land" - was das Wetter angeht und deswegen planen wir auch eine Wandertour im Kollegenkreis.

Das Alltagsnorwegisch, das ich mir in einem Sprachkurs zugelegt habe, kann ich hier immer wieder nutzen, auch wenn man für komplizierte Gespräche doch (noch) auf Englisch zurückgreifen muss. Aber es ist schon sehr angenehm, sich einigermaßen verständigen und die meisten Dinge lesen zu können. Norweger zu verstehen ist allerdings wegen der vielen Dialekte nicht immer ganz einfach.

Trotzdem hat der Kurs einiges gebracht - auch wenn es um das Land geht. Das Lehrbuch, mit dem wir gearbeitet haben, ist eigentlich für Migranten gedacht und mit scheint es, als würde es Details aus dem Land sehr gut abbilden, denn viele Dinge, die mir im Buch aufgefallen sind, findet man hier tatsächlich wieder. Zum Beispiel die Packung mit Leberpastete, von der einen das Konterfei eines kleinen Jungen anschaut. Die war im Norwegischbuch abgebildet und man sieht sie in jedem Supermarkt. Dort findet man auch braune, flache Glasflaschen mit Lebertran, der offensichtlich als Nahrungsergänzungspräparat dient und der auch im Norwegischbuch vorkam als es um Hilfsverben ging.

Was allerdings nicht im Norwegischbuch vorkam ist die wahre Flut von Geschäften, in denen man "Wienerpølse" angeboten bekommt, heiße Bockwürstchen in weichen Brötchen. Die intensive Hot Dog-Tradition kannte ich zwar aus Stockholm aber hier scheint mir das noch verbreiteter zu sein.
24.7.10 08:24
 


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